Immer mehr Modehersteller verpflichten sich zur Einhaltung von Sozialstandards. Warum kommt es trotzdem immer wieder zu Unregelmäßigkeiten?

Obwohl sich fast alle größeren Marken einem Verhaltenskodex verpflichtet haben und Kontrollmechanismen installiert haben, um die Einhaltung eines Mindestmaßes bei den Arbeitsbedingungen sicherzustellen, gibt es immer wieder Verfehlungen. Dies ist häufig der Fall, wenn der Vertragspartner seinerseits die Fertigung an Fremdfertiger auslagert. Diese sind in der Regel nicht auditiert und unterliegen keiner Kontrolle in Form eines externen CSR-Teams vor Ort oder regelmäßiger Betriebsbesuche. Eine andere Problematik besteht darin, dass Produktionsstätten nicht selten einem enormen Druck ausgesetzt sind im Hinblick auf Termine und sich ständig ändernden Anforderungen.

Was versteht man unter einem Sozialaudit

Ein Sozialaudit ist ein Verfahren, das eingesetzt wird, um ein Maß für die soziale Verantwortung eines Unternehmens zu erstellen. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Diskussionen um Ethik in der Textilindustrie bemühen sich immer mehr Unternehmen aus der Branche um Sozialaudits. Durch das Festlegen sozialer und ökologischer Ziele, die Einbindung aller Beteiligten entlang der gesamten Lieferkette, das Einhalten sämtlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie das Festlegen von Messgrößen wird ein entsprechender Rahmen geschaffen. Regelmäßige, zum Teil unangekündigte Betriebskontrollen durch interne oder externe Prüfungsteams helfen bei der Kontrolle der Umsetzung.

Welche Sozialstandards und welche Nachhaltigkeitssiegel gibt es in der Textilindustrie?

Die meisten Sozialstandards erstrecken sich auf das Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Misshandlung und Belästigung sowie auf Bereiche wie Gleichbehandlung, Arbeitsentgelt, Sozialleistungen, Arbeitszeit und Versammlungsfreiheit. In der Textilindustrie gibt es mehr als 100 Nachhaltigkeitsstandards und Gütesiegel. Das macht es für den Verbraucher sehr schwierig, sich zurechtzufinden. Die Lizenzierungsverfahren sind sehr unterschiedlich und nicht immer decken diese Siegel alle Bereiche umfassend ab. So konzentrieren sich einige nur auf einzelne Elemente der Wertschöpfungskette. Zu den bekanntesten Zertifikaten bzw. Organisationen, die sich für Sozialstandards in der Textilindustrie einsetzen, gehören der Global Organic Textiles Standard (GOTS) und die Fair Wear Foundation.

 

Was ist der Unterschied zwischen „Fair Trade“ und „Ethical Trade“?

Fair Trade“ bzw. fairer Handel ist eine organisierte, soziale Bewegung, die sich für das Einhalten von Umwelt- und Sozialstandards im Handel einsetzt. Das Hauptziel ist, wirtschaftlich benachteiligten Erzeugern in Entwicklungsländern ein nachhaltiges Auskommen sowie die Chance auf bessere Lebensumstände zu bieten. Fairer Handel konzentriert sich auf den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, traditionellen Handwerksprodukten und Textilien. Die Schwerpunkte der verschiedenen Fair-Trade-Initiativen reichen von der Zahlung fairer Preise und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen über die Förderung von Weiterbildung bis hin zu umweltpolitischen Themen. World Fair Trade Organization (WFTO) und Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) sind die zwei wichtigsten Fair-Trade-Organisationen.

Ethical Trade“ bzw. Ethischer Handel beschreibt die Verantwortung von Einzelhändlern, Markenherstellern und Lieferanten, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten entlang der gesamten Lieferkette zu verbessern. Im Gegensatz zur Fair-Trade-Bewegung, bei der es in erster Linie um faire Handelsbedingungen geht, liegt der Schwerpunkt von ethischem Handel in der Erfüllung von Sozialstandards. Unternehmen, die sich dem ethischen Handel verschrieben haben, verpflichten sich der Einhaltung von Mindestanforderungen im Hinblick auf Arbeitsbedingungen, Arbeitnehmerrechte und Entlohnung in den Produktionsstätten. Die größte Organisation, die sich dieser Themen annimmt, ist die Ethical Trading Initiative.

 

Wie wird die Einhaltung der Sozialstandards in eurer Produktionsstätte sichergestellt?

Bei der Implementierung unseres CSR-Programms und der Überwachung der Einhaltung unserer Sozialstandards, arbeiten wir mit einem Partner zusammen, der deutsch-indischen NGO United for Hope. United for Hope verfügt über umfassende Erfahrung bei der Konzeption und Umsetzung von CSR-Programmen und ist mit speziell geschulten Mitarbeitern vor Ort in unserer Partnerfabrik vertreten. Diese stehen sowohl dem Management als auch den Mitarbeitern als Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützen das Management bei der Umsetzung des Programms. Die Fabrik wurde im Rahmen eines Sozialaudits zertifiziert.

Avani verfolgt besonders hohe Standards in Bezug auf ethischen Handel. Wie sieht das in der Praxis aus?

Zwar decken fast alle Nachhaltigkeitsstandards für die Textilindustrie soziale Aspekte wie Kernarbeitsnormen, Löhne oder Fabriksicherheit ab, doch die wenigstens tun dies umfassend. Wir haben daher ein eigenes CSR-Konzept entwickelt, das deutlich über die nach internationalen Konventionen ausgerichteten bzw. über die gesetzlich festgeschriebenen Mindestanforderungen hinaus gehn Will.  Wir achten nicht nur darauf, dass ausschließlich volljährige Mitarbeiter beschäftigt werden, die Gebäude sicher sind und die Hygiene- und Gesundheitsbestimmungen, die Arbeitszeiten sowie die Bezahlung den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Wir wissen, dass man noch mehr tun kann. Daher unterstützen wir die Beschäftigten auch bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, u.a. mit einem Bonusprogramm für Bildung und gesunde Ernährung. Wir haben zudem ein spezielles Programm für die Förderung von Frauen entwickelt. Uns sind die Menschen wichtig, daher verfolgen wir im Rahmen unseres CSR-Programms einen partizipatorischen Ansatz. Im Zuge einer Mitarbeiterbefragung wurde ermittelt, welche Punkte den Beschäftigten in ihrem Arbeitsumfeld wichtig sind. Wo immer es möglich ist, bildet dies den Kern des Programms.

Wo wird die Bekleidungslinie Avani produziert?

Die Baby- und Kleinkindmode von Avani wird in Indien hergestellt. Nach umfassender Suche zusammen mit unserem Partner, der deutsch-indischen Nichtregierungsorganisation (NGO) United for Hope, haben wir uns für eine Produktionsstätte in der Region Greater Noida nördlich der indischen Hauptstadt Delhi entschieden. Bei dem Werk handelt es sich um eine Modellfabrik für ethischen Handel. Sie wurde im Rahmen eines umfangreichen, unabhängigen Sozialaudits zertifiziert und hat sich verpflichtet, unserer eigens entwickelten hohen Sozial- und Umweltstandards zu implementieren und die Arbeit danach auszurichten.

Aus welchen Materialien wird die Baby- und Kleinkindmode von Avani hergestellt?

Wir verwenden ausschließlich ökologisch produzierte Baumwolle, bei deren Anbau und Weiterverarbeitung weder Pestizide noch sonstige schädliche Chemikalien verwendet werden. Die verarbeitete Baumwolle ist sowohl nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) als auch nach dem Oeko-Tex 100 Standard zertifiziert. GOTS gilt als international führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er legt umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette fest und fordert die Einhaltung von Sozialkriterien. Der Oeko-Tex 100 Standard ist ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Produkte aller Verarbeitungsstufen und überprüft Textilien u.a. nach gesetzlich verbotenen oder gesundheitsbedenkliche Chemikalien. Der Standard geht in seinen Anforderungen in vielen Aspekten deutlich über bestehende nationale Gesetze hinaus.

Was ist die Philosophie von Avani?

Der Name Avani stammt aus dem Hindi und bedeutet „Erde“. Wir wollen mit unserer Kollektion einen Beitrag leisten, unsere Erde für Mensch und Natur lebenswerter zu gestalten. Dazu gehört nicht nur die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, sondern vor allem eine Produktion unter menschenwürdigen Bedingungen. Als wir beschlossen haben, eine eigene Bekleidungslinie auf den Markt zu bringen, war für uns von Anfang klar, diese unter ethisch korrekten Bedingungen herzustellen. Avani soll Spaß machen mit seinem bunten, von der indischen Mode inspirierten Design. Und es soll ein gutes Gewissen verleihen. Respekt, Menschenwürde und Fairness sind für uns als Unternehmen zentrale Eckpfeiler. Wir wollen den Menschen hinter Avani ein Gesicht geben und sorgen deshalb dafür, dass diese unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können. Für uns sind dies keine Lippenbekenntnisse: Wer Baby- und Kindermode von Avani kauft, bekommt ein ethisch korrekt und fair hergestelltes Produkt.

avani-new-logo